DIE

KREBS'SCHE FALLE

Zeugnis 10.

Schwartz hat für die Übergangswochen einige Jahre vor seinem Tode alles geregelt. Drei Monate nach seinem Tode sollte der heilige Berufungsgottesdienst stattfinden und der HErr, der König der Kirche, dem verwaisten Stamm abermals einen Apostel schenken.

Solt nicht ein Volk, Jesaja 8,19,- seinen Gott fragen?

Und sollte Gott, Jeremia 33,3, nicht selbst antworten?

Der HErr, unser König, wollte und sollte auf das demütige Gebet Seiner treuen Kinder, durch den Heiligen Geist und durch den Dienst des Prophetenamtes, antworten und einen Apostel für Juda namentlich berufen.

Infolge jahrelanger Erfahrung hatte Schwartz den Priestem in Juda erhöhte Vorsicht und Wachsamkeit für die Trauerperiode auferlegt.

Das "Manuskript" war eine ernste Ermahnung, bestimmt für alle Priester, besonders für die Propheten, die einen besonders wichtigen Dienst erfüllen hatten.

In Deutschland war es Krebs durch seine starke Willenskraft inzwischen gelungen, die Stämme auf seine Stimme hören zu lassen. Er wollte aber alle Stämme, vor allem Juda, beherrschen und seine idee der "Aposteleinheid" einführen.

In Juda war dieser Gedanke bis Anfang 1896 völlig unbekannt geblieben.

Nachdem ihn die Todesnachricht erreicht hatte, begab sich Krebs nach Amsterdam, wo er eine allgemeine Priesterversammlung einberief, die von allen niederländischen Amtsträgern und von deutschen Aposteln besucht wurde.

Was hier geschah, war nicht den Schwartz'schen Bestimmungen entsprechend.

Den Enkhuizer Aufseher machte Krebs unter Mißachtung des Schwartz'schen Testaments zum Aufseher des Stammes, gleichsam zur Krebs'schen Hilfe. Er wollte die Trauerzeit verlängern. Sie sollte jetzt ein Jahr und sechs Wochen dauern. Diese Verlängerung erfolgte, behauptete Krebs, aus Ehrfurcht vor dem toten Diener Gottes. Die treuen Priester und Gläubigen sahen nach kurzer Zeit ein, daß daß sie nicht gewacht hatten.

Krebs und dessen Freund Niehaus bereisten die Niederlande und besuchten die Gemei den. Sehr geschickt machten sie Mißbrauch vom hohen Ansehen des verstorbenen Apostels.

Sie fingen an, ihn zu verherrlichen, ihn auf einen Sockel zu stellen und ihm sogar Dinge anzudichten, die nur von Jesus Christus gesagt werden können und durfen.

Sie wollten mit dem Apostelamt Abgötterei treiben und waren zuerst geschickte Schriftverdreher.

Ein Beispiel ihrer Künste sei hier genannt: in Lukas 10,16 lesen wir. "Wer euch hört, der hört mich!"

Krebs und Niehaus fügten hinzu, daß Jesus hiermit auch gelehrt hatte: "Wer euch sieht, sieht mich!"

Vor allem Niehaus war auf diesem Gebiet sehr geschickt und bewandert. Er verstand es, die Schrift so zu verdrehen, daß seine Worte vielen Gemeindegliedern glaubwürdig er- schienen.

Am 2 August l 896 empfing die Gemeinde zu Steinhagen eine Niehaus'sche Speise.

Niehaus wählte 2 Mose l 6, das Brot vom Himmel, das Manna, zum Thema. Mit dieser Schriftstelle wollte er die Bibel verächtlich machen und die Personen der Apostel verherrlichen. Niehaus gab den Inhalt seiner Worte in einem an Krebs gerichteten Schrei- ben vom 3.August 1896 wieder. Krebs sandte dieses Schreiben nach Holland, wo seine Anhänger dem Niehaus'schen Vorbild allzu gern nachzufolgen bereit waren.

Wir geben hier einige der Niehaus'schen Worte:

"Nun nahm ich die sechs Tage der Sammlung als die sechstausend Jahre und zeigte nunjenen groüen Sabbat, das Friedensreich. Israel sollte jeden Tag einsammeln. Das Brot wurde auch nicht am ersten Tag für sieben Tage gegeben, sondern jeder Tag erhielt sein Brot. Nur am sechsten Tag bekam man für zwei Tage Brot. Man solltejeweils für einen Tag einsammeln, am nächsten Tag gab es schon Würmer im Brot vom Vortage. Ich wanderte nun durch die Geschichte und zeigte, daß die Bibel mit sich selbst im Widerspruch und trotzdem Wahrheit ist, eine ewige Wahrheit. Aaron sollte ein Gomer volt im Heiligtum zum Gedächtnis bewahren, aber auch nur zum Gedächtnis, nicht als Speise, denn jeden Tag gab es neues Brot. Nun sagte ich: Wollt ihr wissen, wo und was dieses Gomer ist ? Da erhob ich die Bibel und sagte: Hier ist das Gomer, aus jeder Zeit ist eine Handvoll in dieses Gomer getan worden. Dieses Gomer volt wird jedoch nicht als Speise dienen sondern zum Gedächtnis und nur zum Gedächtnis. Und was soll ich noch mehr sagen ? Wo bleibt die ganze Bibel? Wo bleiben Paulus und Petrus und andere, die geschrieben haben? Haben sie uns mehr als zum Gedächtnis hinterlassen? Wollen wir von dieser Speise essen, so werden wir erfahren. daß es zu wenig ist, und wollen wir noch zu den anderen, wir werden feststellen, daß Würmer darin sind. Es war für den gestrigen Tag eine gute Speise, aber nicht für heute. Heute, so ihr Seine Stimme hört....Allen, die nur vom Brot der entschlafenen Apostel essen wollen und nicht vom heutigen Brot, sage ich: Es sind Würmer darin. wenn man dieses zu sich nimmt, geht geistliches und körperliches Leben verloren."

November 1896 lesen wir auf Seite 3 und 4 der Schrift:

"Wachter Zions und auch ihr Hirten, wacht über die Herde, welche euch von eueren lzorgesetzten anvertraut worden ist und legt den Schafen nicht euere Meinungen und Einsichten als Nahrung vor, sondern das nach den Zeitumständen gegebene Wort, damit ihr die Schafe nicht mit dem vertrockneten Heu aus der Vergangenheit speist, sondern mit dem frischen Grüfutter von heute, mit dem den Zeitumstanden entsprechend gesandten Worte. Gebt den Schafen frisches Wasser, kein altes schmutziges Grubenwasser, sondern frisches lebendes Quellwasser, Wasser des Lebens. Das alte übelriechende stillstehende Wasser kann man ja überall bekommen von den faulen und trägen Hirten. Wir lehren euch, daß die Lehre der Bibel euch nichts nützt und daß das Gebet Jesu, Johannes 17: 20.21, euch nicht betrifft. Wir lehren euch, daß die Apostellehre nicht gut ist."

Auf diese Weise versuchten Krebs und Niehaus die Grundlagen des Zeugnisses unseres HErrn zu untergrahen und die Bibel für wertlos und veraltet zu erklären. Das von Krebs und Genossen gesprochene Menschenwort sei im Gegensatz zur Schrift frisches Gras, Wasser aus der lebendigen Quelle und das Wort des Lehens.

Ein Teil der Priester in Juda folgten dem Vorbild ihrer deutschen Amtsbrüder und nahmen diese Irrlehre kritiklos an.

Diese ehrgeizigen und eigennützigen Priester sahen bisher ungeahnte Möglichkeiten und Aussichten für sich selbst. Die bekanntesten niederländischen Krehs'schen Irrlehrer waren Kofman aus Enkhuizen, de Vries aus Amsterdam und Hoekstra aus Hoorn. Sie warben fleißig für die neue Lehre, die sie als "neues Licht" bezeichneten.

Ein paar Monate vor dem Berufungsgottesdienst vom 17 Januar l 897 besuchte Hoekstra alle niederländischen Gemeinden. Er forderte die Gläaubigen auf, dem - für sie keineswegs zustandigen! - Apostel von Ephraim, Krebs, kindlich zu gehorchen.

Auch fingen die Krebs'schen Nachfolger an, die deutschen Monatsschriften "Der Herold" und "Wächterstimme aus Ephraim" ins Niederländische zu ubersetzen. In vielen Artikeln wurde Krebs von den deutschen Amtsträgern verherrlicht.

In Amsterdam hatte de Vries großen Einfluß: der Kampf zwischen Licht und Finsternis war hier besonders heftig. Der wegen seiner Sanftmut und Weisheit sehr angesehene Enkhuizer Hirte T.Korff versuchte de Vries von der Predigt neuer Lehren zurückzuhal- ten. De Vries setzte seinen Willen durch. Krebs wurde von seinen Anhangem der großte Apostel aller Zeiten genannt.

Es wurde üblich, ihn als "Vater Krebs" zu bezeichnen. Dieser sterbliche Mensch wurde sogar "Stamm" des Weinstockes der Kirche genannt; die anderen Apostel seien die mit dem "Stamm", mit Krebs, verbundenen Reben.

Der Begriff des "Stamm-Apostolats" wurde eingeführt.

Bis dahin war es vorgekommen, daß die Apostel für die Stämme Juda, Ephraim, Isaschar, Simeon auch stammapostel füir Juda, Ephraim, lsaschar und Simeon, Apostel ihres eigenen geistlichen Geschlechts oder Stammes genannt wurden.

In neuapostolischer Sicht wurde der Apostel von Ephraim zum Weinstock, zum Stamm des Weinstocks. Ihm offenbarte sich der Heilige Geist in Seiner ganzen Fülle. Krebs wurde "Gott im Fleische" oder "Christus im Fleische!!"

Jesus Christus hatte die Gemeinden in diesen Monaten häufig und sehr deutlich gewamt.

Der deutsche Prophet Hugo gehörte zu den Priestern und Gläubigen, die sich der falschen Darstellung des Heiligen Werkes Gottes widersetzten. Er macht unaufhörlich auf die vielen Offenbarungen und Warnungen des HErrn aufmerksam.

Krebs fing deshalb an, sich auf die ihm wohlgefälligen Abschnitte des Schwartz'schen "Konzeptes" zu berufen.

Schwartz hatte dargelegt, daß sich die Propheten dem apostolischen Amte ihres ei- genen Stammes unterordnen müssen.

Krebs ließ das "Konzept" vervielfältigen und Ende l896 allen Amtstragern in Juda zugehen. Er wollte die Zuverlässigkeit der göttlichen Berufungsordnung in Frage stellen und Zweifel saen.

Aus seinem Begleitschreiben zitieren wir:

"Also habe ich als Apostel das Recht, Propheten, die MIR (Krebs) Widerstand entgegensetzen, zu entifernen."

Das Schwartz'sche Testament enthält die für den nach Amsterdam für die Leitung des Berufungsgottesdienstes eingeladenen Apostel bestimmte V orschriften. Ein paar Tage vor dem Berufungsgottesdienst mu&szlihte er die Propheten einzeln empfangen und ihnen die ihm wörtlich vorgeschriebenen Fragen zur Beantwortung vorlegen.

Wir zitieren aus des Schwartz'schen Testaments: § 7

1.) "Haben Sie schon im Verborgenen einen Bruder zum Apostel berufen? Bezeugen Sie es vor dem Heiligen Gott mit "JA", oder "NEIN".

Ist seine Antwort bestätigend, sagt der Apostel:

"Wir und der stamm Juda nehmen den Apostel nicht an, Sie dürfen Sonntag nicht als Prophet bei der Rufung dienen."

2.) Sagt der Prophet: "Der Heilige Geist hat durch mich niemand zum Apostel berufen",

so fragt der Apostel: "Haben Sie in Ihr Herz oder Ihren Geist einen Bruder aufgenommen, den Sie als Apostel anerkennen?'"

Wenn der Prophet für einen Bruder eingenommen ist, bittet ihn der Apostel, den Namen dieses Bruders aufzuschreiben und füigt hinzu:

"Sie dürfen diesen Bruder nicht zum Apostel berufen und wenn der Geistesantrieb noch so stark ist, denn Gott der HErr prüft Sie. Berufen Sic diesen Bruder trotzdem zum Apostel, so wird er nicbt angenommen. Ein Prophet muß als Gefäß rein und gehorsam sein."

§ 7 lehrt ferner:

In der Kirche dienen nicht Männer, die von Propheten, sondern ausschließllich solche, die inmitten der Gemeinde vom HErrn durch den Heiligen Geist, der hierzu durch Prophetenmund spricht, bezeichnet und mit Namen berufen werden. Das entspricht Apg. 13, 1-3.

Im "Manuskript" erwähnt Schwartz einen von ihm geschriebenen versiegelten Brief. Dieses Schreiben sollte nach der Berufung seines Nachfolgers vemichtet werden. Nur für den Fall, daß der HErr während des Berufungsdienstes auch auf die dritte Bitte nicht antworten, nicht berufen sollte, gabe es noch folgende Möglichkeit:

Dann sollte dieser Brief dem HErrn verschlossen und versiegelt vorgelegt werden. Einer der Apostel sollte abermals ein Gebet aussprechen und den HErrn diesmal bitten, aus den drei im Schreiben genannten Männern einen zum Apostel für Juda zu berufen.

Krebs war nicht völlig mit diesen Vorschriften einverstanden, zumal sie ihn zu stark an eine göttliche Vorschrift fesselten. Innerlich hatte sich Krebs längst von der Ordnung des Hauses Gottes, daß der HErr Seine Apostel, Propheten, Evangelisten und Hirten durch den Heiligen Geist, durch den Dienst des Prophetenamtes selbst berufen muß, losgesagt.

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